Ob ein Zinshaus im Bestand bleibt oder verkauft wird, hängt an drei Größen: was das gebundene Eigenkapital heute verdient, was das Haus in zehn Jahren kostet und welchen Faktor der Markt zahlt. Hier steht die Rechnung offen, mit Zahlen der Gutachterausschüsse, dazu der dritte Weg: der diskrete Markttest ohne Inserat.
Die Frage „verkaufen oder behalten“ wird selten gerechnet. Meist entscheidet ein Anlass: Die Bank ruft an, das Dach tropft, die Kinder wollen das Haus nicht. Dabei lässt sich die Entscheidung auf drei Größen zurückführen, die sich aus den eigenen Unterlagen bestimmen lassen.
Gutachterausschuss Dresden, Grundstücksmarktbericht 2026, S. 81 (offene Bauweise, 130 Kauffälle, Stichtag 1. Juli 2025); Gutachterausschuss Leipzig, Grundstücksmarktbericht 2026, Tab. 25, S. 30; Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung 241 vom 10. Juli 2026; § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG.
Nicht die Rendite auf den Kaufpreis von damals zählt, sondern die auf das Kapital, das heute im Haus steckt: Jahresnettokaltmiete abzüglich Bewirtschaftungskosten und Zinsen, geteilt durch Verkehrswert abzüglich Restschuld. Wer vor zwanzig Jahren zum Zwölffachen gekauft hat, rechnet gern mit acht Prozent auf den Einstand. Auf den heutigen Wert bezogen landet er dort, wo Käufer einsteigen: In Leipzig lag die mittlere Nettoanfangsrendite sanierter Altbauten 2025 bei 3,1 Prozent.
Die ImmoWertV setzt als Modell 11,70 Euro je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr für Instandhaltung an (Stand 1. Januar 2021, nach Verbraucherpreisindex fortgeschrieben), dazu 298 Euro Verwaltung je Wohnung und 2 Prozent Mietausfallwagnis. Das gilt für ein Haus ohne Rückstand. Dach, Stränge, Heizung und Elektrik folgen eigenen Zyklen, und ihre Preise steigen schneller als der Neubau: Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden kosteten im Mai 2026 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr; in Sachsen lag der Preisindex für Instandhaltung 2025 bei 144,8 Punkten (2021 = 100). Wer Sanierungsstau schiebt, zahlt ihn später teurer oder im Kaufpreis. Belastbar wird der Bedarf nur Gewerk für Gewerk.
Anlage 3 ImmoWertV; Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung 241 vom 10. Juli 2026; Statistisches Landesamt Sachsen, Medieninformation 162/2025, Anlage.
Der Kaufpreisfaktor, Kaufpreis geteilt durch Jahresnettokaltmiete, übersetzt die Marktlage in Ihren Erlös. Der Gutachterausschuss Dresden weist für 2025 bei Mehrfamilienhäusern in offener Bauweise einen Median von 21,2 aus, nach Restnutzungsdauer gestaffelt von 19,3 bis 23,2; in Leipzig lag der mittlere Faktor sanierter Altbauten bei 23,1. Was zwei Faktorpunkte bei Ihrem Haus ausmachen, steht unter Kaufpreisfaktor Mehrfamilienhaus Sachsen. Und: Faktoren sind zinsabhängig. Die Bundesbank-Zinsstatistik zeigt für Wohnungsbaukredite im Neugeschäft seit 2023 ein Niveau deutlich über den Jahren 2019 bis 2021, zuletzt knapp unter vier Prozent effektiv. Ein heute erzielbarer Faktor ist kein Versprechen für 2030.
Gutachterausschuss Dresden, Grundstücksmarktbericht 2026, S. 81; Gutachterausschuss Leipzig, Grundstücksmarktbericht 2026, S. 30; Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik, Wohnungsbaukredite an private Haushalte, Stand 31. Juli 2026 (Juni 2026: 3,95 Prozent).
Das Beispiel ist kein Marktwert und keine Prognose, sondern eine Rechenstrecke zum Nachbauen. Die Annahmen:
| Position | Je Jahr |
|---|---|
| Jahresnettokaltmiete | 81.000 € |
| Bewirtschaftung (Modell) | − 15.700 € |
| Zinsen (1,5 Prozent auf 400.000 €) | − 6.000 € |
| Ertrag vor Steuern und Tilgung | 59.300 € |
| Gebundenes Eigenkapital (Wert abzüglich Restschuld) | 1.301.000 € |
| Eigenkapitalrendite heute | 4,6 % |
| Nach Anschlussfinanzierung zu 4 Prozent | 3,8 % |
| Bei 4 Prozent Zins und 25.000 € Instandhaltung je Jahr | 2,7 % |
Beispielrechnung; Bewirtschaftungskosten nach Anlage 3 ImmoWertV, Faktor nach Gutachterausschuss Dresden 2026, S. 81.
| Position | Halten, zehn Jahre | Verkaufen heute |
|---|---|---|
| Mieteinnahmen zehn Jahre | 810.000 € | – |
| Verwaltung, Mietausfall, laufende Instandhaltung | − 157.000 € | – |
| Sanierungsbedarf (Annahme) | − 250.000 € | – |
| Zinsen (vier Jahre 1,5, sechs Jahre 4 Prozent) | − 120.000 € | – |
| Überschuss vor Steuern | 283.000 € | – |
| Verkaufserlös, Faktor 21 | – | 1.701.000 € |
| Restschuld | − 400.000 € | − 400.000 € |
| Nettoerlös, zehn Jahre zu 3 Prozent angelegt | – | 1.301.000 € → 1.748.000 € |
| Hauswert Ende Jahr zehn, Faktor 21 | 1.701.000 € | – |
| Vermögensposition nach zehn Jahren | 1.584.000 € | 1.748.000 € |
| Hebt die Sanierung die Faktorklasse (Median Dresden 23,2) | 1.762.000 € | – |
Beispielrechnung; Faktoren nach Gutachterausschuss Dresden 2026, S. 81; Zinsannahmen im Korridor der Bundesbank-Zinsstatistik. Übrige Werte sind Annahmen.
Im Basisfall liegt der Verkauf vorn, rund 164.000 € über zehn Jahre. Hebt die Sanierung das Haus in die nächste Faktorklasse, endet die Rechnung nahezu auf Gleichstand. Die Entscheidung hängt an wenigen Annahmen.
Die Rechnung liefert keine Antwort für alle, aber Ihre Antwort, sobald drei Zahlen belastbar sind: der Sanierungsbedarf aus einer Begehung, der Faktor aus dem Markt statt aus der Statistik, der Zins, zu dem Sie anlegen oder finanzieren.
Zwei davon gibt es ohne Öffentlichkeit.
Halten ist dann kein Aufschub, sondern ein Beschluss mit Bedingungen: Instandhaltungsplan und eine Zahl, ab der Sie doch verkaufen würden.
Verkaufen ist kein Eingeständnis, professionelle Bestandshalter bereinigen Portfolios laufend. Entscheidend ist, dass der Verkauf zu Ihren Bedingungen läuft: mit bekanntem Preis vor der Öffentlichkeit, nicht als Inserat.
Zwei Regeln prägen fast jede Entscheidung; beide gehören zu Ihrem Steuerberater:
Dazu kommen die Grunderwerbsteuer auf Käuferseite (in Sachsen 5,5 Prozent), Erbschaft- und Schenkungsteuer und die Frage Privat- oder Betriebsvermögen. Prüfen lassen vor der Entscheidung, nicht nach dem Notartermin.
Die Regeln im Einzelnen, von der Fristberechnung über die Gewinnermittlung mit AfA bis zu Erbschaft und Grunderwerbsteuer, mit Rechenbeispiel: Mehrfamilienhaus verkaufen und Steuern.
Zwischen Halten und Inserieren gibt es einen dritten Weg, unter Profis die Regel: der anonyme Markttest im geschlossenen Investorenkreis. Er ersetzt den Faktor aus der Statistik durch eine Zahl aus dem Markt.
Warum nicht inserieren? Weil der Markt klein ist: In Dresden wechselten 2025 160 Mehrfamilienhäuser den Eigentümer, in Leipzig 229. Die Käufer, die zählen, sehen jedes Inserat und merken sich Preis und Verweildauer. Wie der Off-Market-Verkauf läuft, steht unter Mehrfamilienhaus diskret verkaufen, die Marktdaten unter Dresden, Leipzig und Chemnitz. Und wer das Haus für uns anschaut, hat selbst gebaut: Sanierungsbedarf schätzen wir nach Dach, Strang, Heizung und Statik.
Gutachterausschuss Dresden, Grundstücksmarktbericht 2026, Tabelle 3.2, S. 23; Gutachterausschuss Leipzig, Grundstücksmarktbericht 2026, Tabelle 22, S. 28.
Mit drei Größen: Eigenkapitalrendite auf den heutigen Verkehrswert (Nettokaltmiete abzüglich Bewirtschaftung und Zinsen, geteilt durch Wert abzüglich Restschuld), Instandhaltungsbedarf der nächsten zehn Jahre je Gewerk und der Faktor, den der Markt für Ihr Haus zahlt. Dann Halten gegen Verkauf mit Wiederanlage rechnen, wie im Beispiel oben.
Aus beurkundeten Kaufverträgen abgeleitet: In Leipzig lag die Nettoanfangsrendite sanierter Altbau-Mehrfamilienhäuser 2025 im Mittel bei 3,1 Prozent (Rohertragsfaktor 23,1), in Dresden der Median-Rohertragsfaktor bei 21,2, der Liegenschaftszinssatz bei 1,56 Prozent. Durchschnitte, keine Werte für ein konkretes Haus.
Nur, wenn die Sanierung die Faktorklasse erkennbar hebt und das Kapital vorhanden ist. Käufer zahlen für Substanz und Restnutzungsdauer, aber nicht jeden Sanierungseuro zurück. Sonst bepreisen Value-Add-Käufer den Rückstand und tragen das Risiko.
Liegen zwischen Anschaffung und Verkauf eines Grundstücks im Privatvermögen nicht mehr als zehn Jahre, ist der Gewinn einkommensteuerpflichtig (§ 23 EStG), danach nicht mehr. Bei Erbschaft oder Schenkung zählt die Anschaffung des Rechtsvorgängers. Den Einzelfall klärt Ihr Steuerberater.
Wer innerhalb von etwa fünf Jahren mehr als drei Objekte verkauft, kann als gewerblicher Grundstückshändler gelten: Gewinne bleiben auch nach zehn Jahren steuerpflichtig, Gewerbesteuer kommt hinzu. Ein Mehrfamilienhaus auf einem ungeteilten Grundstück zählt als ein Objekt, jede einzeln verkaufte Eigentumswohnung ebenfalls.
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